SRILA PRABHUPADAS VORLESUNGEN


Srila Prabhupada kommentiert Jean-Paul Sartre
Juni 25, 2007, 5:38 pm
Filed under: Prabhupadas Richtlinien

KrishnaHayagriva dasa: Jean-Paul Sartre, der vielleicht berühmteste Philosoph unseres Jahrhunderts, nennt sich einen „atheistischen Existentialisten“. Seiner Ansicht nach wurde der Mensch in diese Welt hinein gestoßen und dann seinem Schicksal überlassen. Für ihn ist Gott tot.


Srila Prabhupada: Weder ist Gott tot, noch hat Er uns vergessen. Wenn wir uns verlassen fühlen, ist dies darauf zurückzuführen, dass wir etwas getan haben, was uns in diesen Zustand versetzt hat. Wenn wir unseren Zustand berichtigen, werden wir wieder angenommen werden. Gegenwärtig leben wir in Verbannung, in der materiellen Welt. Wir sollten jedoch nicht denken, nur weil wir verbannt worden sind, müsste auch Gott in Verbannung leben. Gott befindet sich stets in Vaikuntha, der spirituellen Welt; Gott ist nicht tot.
Hayagriva dasa: Sartre jedenfalls, der sich nun mal als atheistischen Existentialisten bezeichnet, leugnet die Existenz Gottes, insbesondere die Existenz eines persönlichen Gottes. Sartre möchte die gesamte Frage um Gottes Existenz beiseite schieben und dafür den Menschen, die „menschliche Realität“, betonen.
Srila Prabhupada: Aber die Frage um Gottes Existenz ist die Zentralfrage der Philosophie. Gott hat alles geschaffen unseren Geist, unsere Intelligenz, unseren Körper und auch unsere Lebensumstände. Wie kann man Seine Existenz abstreiten? In den vedischen Schriften heißt es, dass am Anfang Gott existierte, und auch die Bibel sagt, daß am Anfang Gott war. Die Existenz in diesem materiellen Universum ist vergänglich. Entsprechend den Gesetzen der materiellen Natur wird unser Körper an einem bestimmten Tag geschaffen, existiert dann für einige Zeit, und letztlich wird er vernichtet. Ebenso hat auch die gesamte kosmische Manifestation einen Anfang, eine Mitte und ein Ende. Wer existierte jedoch vor der Schöpfung des Universums? Wie war die Schöpfung möglich, wenn es keinen Gott gab?
Hayagriva dasa: Sartre würde die Existenz eines Schöpfers des Universums nicht anerkennen. Er würde sagen, der Mensch existiere einfach, er tauche auf, erscheine auf der Bühne.
Srila Prabhupada: Jeder erscheint aufgrund seines Vaters und seiner Mutter. Wie kann man das abstreiten? Will Sartre damit etwa sagen: „Ich bin ganz plötzlich erschienen – ich bin vom Himmel gefallen.“- Nur ein Dummkopf würde behaupten, ohne Eltern erschienen zu sein. Aus Erfahrung wissen wir, dass alle Lebensarten von irgendeiner Mutter abstammen. Als Ganzes gesehen, ist die materielle Natur die Mutter. Und sobald man die Mutter akzeptiert hat, muß man auch den Vater, Gott, akzeptieren.
Warum sollte Gott nicht existieren? Wenn man an seine eigene Existenz glaubt, warum dann nicht an die Existenz Gottes? In den mannigfaltigsten Formen existieren 8 400 000 verschiedene Lebensarten. Nach vedischem Verständnis ist Gott ebenfalls ein Lebewesen; da Er jedoch das Oberhaupt ist, das höchste Lebewesen, unterscheidet Er sich von allen anderen. In der Bhagavad-gita (7.7) heißt es, mattah parataram nanyat: „Es gibt kein Lebewesen, das Gott übergeordnet ist. „Wir alle haben schon die Erfahrung gemacht, daß es Lebewesen gibt, die intelligenter sind als wir. Und Gott besitzt die höchste Intelligenz. Warum sollte eine Person, die alle anderen an Intelligenz übertrifft, nicht existieren können? Gottes Existenz steht außer Frage. Gott muss existieren. In den Sastras, den überlieferten Schriften, wird Er als die alles-überragende Persönlichkeit, das mächtigste und intelligenteste Wesen, beschrieben. Wir können beobachten, dass sich im Grunde niemand auf der Welt auf einer gleichen Ebene befindet: Es gibt verschiedene Grade von Vollkommenheit. Das deutet darauf hin, dass es eine unübertreffliche Person geben muß, und wenn wir fortfahren, nach der Person mit dem größten Reichtum, der größten Intelligenz, Macht, Schönheit, zu suchen, werden wir feststellen, dass Gott all diese Qualitäten im höchsten Maße besitzt und dass jedes andere Lebewesen sie in einem dazu relativen Maße besitzt. Wie können wir also Gottes Existenz rational verneinen? Im Grunde bedeutet Sartres Behauptung, er möchte nicht, dass Gott existiert.
Hayagriva dasa: Weil man von der menschlichen Natur nicht auf einen Gott schließen kann, lautet nach Sartre der wichtigste Grundsatz des Existentialismus: „Der Mensch ist nichts anderes als das, was er aus sich selbst macht . . . der erste Schritt des Existentialismus besteht darin, jedem deutlich zu machen, was er ist, und die gesamte Verantwortung für seine Existenz ihm zu übertragen.“ Es ist gerade diese Verantwortung – diese Freiheit, sich selbst und die Welt zu ändern -, die den modernen Menschen mit Schmerz und Angst erfüllt.
Srila Prabhupada: Das bedeutet, der moderne Mensch befindet sich in einem hilflosen Zustand. Er möchte Frieden, weiß jedoch nicht, wie. Für einen Menschen in Unwissenheit ist Frieden nicht möglich, was jedoch nicht bedeutet, dass es grundsätzlich keinen Frieden geben kann. Der Mensch ist ohne Zweifel für sein Leben verantwortlich, warum also nicht von dieser Verantwortung Gebrauch machen und sich zu einem sicheren Ort begeben, wo es keine Angst gibt? Selbst wenn man momentan einen solchen Ort nicht kennt, mag es ihn nichtsdestoweniger sehr wohl geben; warum also nicht jemanden fragen, der ihn kennt? Warum sollte man ständig enttäuscht und voller Angst bleiben? Der sichere Ort, wo es keine Angst gibt, wird Vaikuntha genannt. Das Wort Vaikuntha bedeutet bereits „ohne Angst“.
Hayagriva dasa: Sartre glaubt, daß die Menschen friedvoll zusammenleben könnten, wenn sie nicht nur für sich selbst, sondern auch für andere Verantwortung übernehmen würden.
Srila Prabhupada: Nehmen wir an, ich möchte dir etwas Gutes tun, und du bist frei. Deine Freiheit bedeutet, dass du meine guten Ratschläge befolgen oder zurückweisen kannst. Wie kann ich jedoch für dich verantwortlich sein, wenn du nicht auf mich hörst? Sartre behauptet, wir würden für andere verantwortlich sein; wie kann man uns jedoch verantwortlich machen, wenn sie unseren Anweisungen nicht folgen? Das ist alles voller Widersprüche. Solange es kein Standardwissen gibt, muss es immer Widersprüche geben. Nach den vedischen Schriften ist Gott die Höchste Person, und wir alle sollten Seine gehorsamen Diener sein. Gott betraut uns mit einer gewissen Pflicht, und wir sind dafür verantwortlich, diese Pflicht zu erfüllen. Unsere wirkliche Verantwortung ist die Verantwortung gegenüber Gott. Wenn wir Gott zurückweisen, steuert die Gesellschaft auf ein Chaos zu. Religion bedeutet, das Chaos zu vermeiden und unserer Verantwortung
gegenüber Gott gerecht zu werden, indem wir unsere Pflicht erfüllen. Wir tragen eine Verantwortung, und diese wurde uns von Gott auferlegt. Wenn wir durch die Erfüllung unserer Pflicht spirituellen Fortschritt machen, können wir letztlich mit Gott persönlich in Vaikuntha leben.
Hayagriva dasa: Sartre schreibt: „Da wir Gott, den Vater, abgeschafft haben, muss es jemanden geben, der Werte schafft . . . Weiterhin, zu sagen, dass wir Werte schaffen, bedeutet nichts anderes als folgendes: Leben hat keine Bedeutung a priori. Bevor wir zum Leben erwachen, ist das Leben nichts; es bleibt uns selbst überlassen, diesem Leben ein Ziel zu setzen, und ein Wert ist nichts anderes als das Ziel, das wir gewählt haben.“
Srila Prabhupada: Folglich denkt sich jeder sein eigenes Ziel aus? Wenn dies der Fall ist, wie können die Menschen dann friedlich zusammenleben?‘ Da jeder seine eigene Vorstellung vom Leben hat, kann keine Harmonie herrschen. Was für eine Regierung soll es geben?
Hayagriva dasa: Sartre hat sich neuerdings dem Marxismus zugewandt.
Srila Prabhupada: Aber in kommunistischen Ländern gibt es sehr starke Regierungen. Es ist den Menschen nicht möglich, Regierung und Führung zu umgehen.
Hayageva dasa: Sartre glaubt, dass unabhängig von der Regierungsform, in welcher der Mensch lebt, die Struktur des menschlichen Bewusstseins ihrem Wesen nach frei ist. Überdies vertritt Sartre die Ansicht, dass der Mensch dazu verdammt sei, frei zu sein; Freiheit sei ein Schicksal, dem er nicht entrinnen könne.
Srila Prabhupada: Wenn der Mensch verdammt ist, stellt sich die Frage, wer ihn verdammt hat.
Hayagriva dasa: Sartre würde sagen, der Mensch sei durch Zufall verdammt worden.
Srila Prabhupada: Mit anderen Worten, es ist lediglich dem Zufall zuzuschreiben, daß der eine verdammt und der andere gesegnet ist. Es ist nur ein Zufall, dass einer im Gefängnis sitzt und ein anderer nicht. Was ist das für eine Philosophie? Solche sogenannten Philosophen führen einfach nur andere in die Irre. Im Grunde geschieht nichts zufällig. Das Lebewesen ist dazu verdammt worden, in der materiellen Welt zu leben, dem stimmen wir zu; wenn wir jedoch von Verdammung sprechen, meinen wir damit, daß es seine Freiheit verloren hat. Es unterliegt der strengen Herrschaft der materiellen Natur. Die materielle Welt gleicht einem riesigen Meer, und wer in dieses Meer hineingeworfen wird, hat keine Freiheit mehr. Er bewegt sich mit den Wellen. Das bedeutet, es gibt eine Macht, die ihn kontrolliert. Da er sich der Kontrolle der materiellen Natur ausgesetzt hat, handelt er nach dem Diktat der Erscheinungsweisen der materiellen Natur. Krishna sagt in der Bhagavad-gita: „Die verwirrte Seele hält sich unter dem Einfluss der Erscheinungsweisen der materiellen Natur für den Ausführenden von Handlungen, die in Wirklichkeit von der Natur verrichtet werden.“ (Bg. 3.27) Da der Mensch von der materiellen Natur bedingt wird, fühlt er ihre Kontrolle – obwohl er denkt, er sei frei. Man verliert seine Freiheit, wenn man in den Ozean der materiellen Existenz geworfen wird. Würde man sich jedoch in bessere Umstände versetzen, könnte man seine Freiheit wiedergewinnen. Daher ist es die Pflicht eines jeden, sich zu befreien, indem er Krishna-bewusst wird.
Hayagriva dasa: Da wir heute das eine und morgen etwas anderes sind, sagt Sartre, bestehe unsere eigentliche Natur im „Nichts“.
Srila Prabhupada: Man ist „nichts“ in dem Sinne, dass man sich unter der vollständigen Kontrolle einer höheren Macht befindet. Man ist von den Wellen Mayas, der materiellen Natur, fortgetragen worden. Inmitten des Ozeans von Maya mag man sagen: „Ich bin nichts“, im Grunde jedoch ist man etwas. Dieses „Etwas“ entfaltet sich erst dann, wenn man an Land gesetzt oder, mit anderen Worten, Krishna-bewußt wird. Aus lauter Enttäuschung erklärt man, seine Natur wäre das „Nichts“. Die Philosophie Sartres ist die Philosophie der Verzweiflung, und wir sagen, sie ist nicht intelligent. Verzweiflung ist die Folge von Unwissenheit.
Hayagriva dasa: Sartre behauptet, dass, obwohl die Grundlage unserer Natur im Nichts bestehe, der Mensch seine eigene Natur schaffe oder wähle.
Srila Prabhupada: Die grundsätzliche Natur des Menschen besteht nicht darin, „nichts“, sondern „etwas“ zu sein. Dieses „Etwas“ bedeutet, ein ewiger Diener Krishnas zu sein. Deswegen sollte man es vorziehen, „etwas“ anstatt „nichts“ zu sein. Aber um dies zu tun, muß man von einer höher gestellten Person lernen. Bevor man philosophiert, sollte man von jemandem lernen, der im Wissen gründet. So lautet die Anweisung der Veden – tad vi-jnanartham sa gurun evabhigacchet: Um die transzendentale Wissenschaft zu erlernen, muß man sich an einen echten spirituellen Meister wenden. Nur indem man sich entschließt, Krishna zu dienen, kann man seine Natur formen, nicht indem man die ganze Angelegenheit aufgrund von Verwirrung und Enttäuschung aufgibt und behauptet, der Mensch sei ein Nichts. Der Versuch, das Leben null und nichtig zu machen, ist auf mangelndes Wissen zurückzuführen.
Hayagriva dasa: Sartre sagt, dass wir unser Leben ununterbrochen nach unserer Wahl gestalten, dass jedoch mit dem Tode alles aus ist.
Srila Prabhupada: Tod bedeutet einfach nur Wechsel zu einem anderen Körper. Die Seele, das aktive Prinzip des Körpers, stirbt keineswegs. Der Tod ist nicht viel anders als ein Wohnungswechsel. Ein vernünftiger Mensch kann dies ohne weiteres verstehen.
Hayagriva dasa: Sartre glaubt, das fundamentale Verlangen des Menschen sei der „Wunsch zu sein“. Mit anderen Worten, der Mensch sucht eher nach ewiger Existenz als nach bloßem „Nichtsein“.
Srila Prabhupada: So ist es. Da der Mensch ewig ist, hat er auch den Wunsch, ewig zu existieren. Er sucht nach ewigem, spirituellem Leben. Unglücklicherweise versetzt er sich in bestimmte materielle Umstände, die nicht ewig sind, und so muss er wiederholte Geburten und Tode erleiden. Nichts in der materiellen Welt existiert ewiglich. Ein Baum mag für zehntausend Jahre leben, letztlich jedoch wird er vergehen. In der materiellen Welt bleibt nichts erhalten. Aber in der Bhagavad-gita (8.20) spricht Krishna von einer anderen Welt, die beständig, sanatana, ist. Nach der Vernichtung des materiellen Universums wird diese spirituelle Welt bestehen bleiben, Durch das Praktizieren von Krishna-Bewusstsein kann man seine ewige Position in der spirituellen Welt erlangen.
Hayagriva dasa: Sartre schreibt, das fundamentale Verlangen des Menschen bestehe darin, Gott zu sein.
Srila Prabhupada: Das ist mehr oder weniger unpersönlich, Mayavada-Philosophie. Die Mayavadis glauben, wenn sie vollständiges Wissen erlangen, würden sie Gott. Da der Mensch ein Teilchen Gottes ist, möchte er mit Ihm vereint werden. Es ist so wie mit einem Mann, der lange Zeit von zuhause fort war. Ganz spontan möchte er wieder nach Hause zurück.
Hayagriva dasa: Sartre behauptet, dass dieser Versuch, Gott zu werden, zum Scheitern verurteilt ist.
Srila Prabhupada: Natürlich, denn der Mensch ist nicht Gott. Sein Wunsch, Gott zu werden, bedeutet bereits, dass er gegenwärtig nicht Gott ist. Und wenn er schon einmal Gott war, wie wurde Er dann etwas anderes? Nein. Wenn der Mensch Gott werden könnte, könnte gar nicht die Rede davon sein, daß er jemals etwas anderes als Gott war. Es käme für ihn überhaupt nicht in Frage, unwissend zu sein. Ein anderer Name Krishnas ist Acyuta. Das Wort acyuta bedeutet „derjenige, der niemals fällt“. Das bedeutet, dass Gott niemals zum Nicht-Gott wird. Gott ist immer Gott. Es stimmt also nicht, dass man durch irgendeinen mystischen Vorgang Gott werden kann. Der Mensch kann nicht Gott werden, aber er kann göttlich werden. Wenn wir uns in Dunkelheit befinden, streben wir nach Licht und begeben uns in den Sonnenschein. Das bedeutet jedoch nicht, daß wir die Sonne werden. Genauso werden wir, wenn wir zur Ebene des vollkommenen Wissens kommen, göttlich, jedoch nicht Gott.
Hayagriva dasa: Da Sartre weiß, dass der Versuch des Menschen, Gott zu werden, zum Scheitern verurteilt ist, nennt er das menschliche Leben ein „vergebliches Streben“.
Srila Prabhupada: Wenn der Mensch sich bemüht, Krishna-bewusst zu werden, ist sein Leben nicht vergeblich. Der Versuch, Krishna-bewusst zu werden, und der Versuch, Krishna zu werden, sind voneinander völlig verschieden. Der eine ist göttlich und der andere dämonisch.
Hayagriva dasa: Sartre kommt dann zu dem Schluss: Da es unmöglich ist, Gott zu werden, ist alles andere nutzlos.
Srila Prabhupada: Das ist Dummheit. Das Lebewesen ist nicht Gott, sondern Gottes Diener. Es hat sich zu dem Versuch entschlossen, Gott zu werden, musste jedoch feststellen, dass dies unmöglich ist. Daher sollte es dieses Vorhaben aufgeben und ein Diener Gottes werden. Das ist die richtige Entscheidung.
Hayagriva dasa: Sartre schließt, dass das Leben keinen eigentlichen Sinn hat, da die Existenz der Welt keine Ursache hat.
Srila Prabhupada: Das ist Unsinn. Alles hat seinen Zweck. Nichts kann ohne Zweck und Sinn existieren, denn alles kommt von der höchsten Ursache. Der Fehler solcher Philosophen besteht darin, dass sie nicht genügend Gehirnmasse besitzen, um die Erkenntnis, die ihre oberflächliche Sicht zulässt, zu hinterfragen. Sie sind nicht in der Lage, Gott, die Ursache aller Ursachen, zu verstehen. Auch viele moderne Wissenschaftler behaupten, die Natur, Prakriti, sei die einzige Ursache der Existenz; doch wir können einer solchen Theorie nicht zustimmen. Wir verstehen, dass sich hinter der Natur Gott befindet und dass die Natur nicht unabhängig handeln kann. Die Natur ist diese phänomenale Erscheinungswelt; jenseits oder hinter der Natur jedoch befindet sich das Noumenon, Gott, Krishna.
In der Bhagavad-gita (16.8) werden Philosophien wie die von Sartre als dämonisch bezeichnet: „Die Dämonen sagen, diese Welt sei unwirklich, sie habe keinen Ursprung und werde von keinem Gott kontrolliert; die Welt sei nichts weiter als ein Produkt sexueller Verlangen und habe keine andere Ursache als Lust.“ Die Dämonen glauben nicht an eine höhere Ursache. Sie halten alles für zufällig. Sie sagen, dass sich ein Mann und eine Frau zufällig vereinen, und ein Kind sei lediglich die Folge sexuellen Verkehrs. Sie behaupten, die Existenz hätte keinen Sinn. Da diese Art Philosophie ihrem Wesen nach dunkel und voller Unwissenheit ist und da sie die Existenz Gottes verneint, gilt sie als dämonisch.
Hayagriva dasa: Sartre schreibt, da der Mensch frei sei, neige er zu dem, was Sartre „negativen Glauben“ nennt. Dieser negative Glaube ist eine Art von Selbsttäuschung, zurückzuführen auf mangelndes Verantwortungsgefühl für das eigene Leben. Durch negativen Glauben verliert man seine Freiheit.
Srila Prabhupada: Sicherlich hat der Mensch eine begrenzte Entscheidungsfreiheit; wenn er jedoch unverantwortlich handelt, muss er leiden. Verantwortung und Freiheit gehen Hand in Hand. Wir müssen also unser Unterscheidungsvermögen nutzen. Ohne zu unterscheiden, ist unsere en. Freiheit blind, d.h., wir können nicht verstehen, was richtig und was falsch ist.
Hayagriva dasa: Für Sartre bedeutet negativer Glaube, Entscheidungen zu vermeiden. Ein Mensch mit negativem Glauben lässt sich nur von einem Tag zum anderen treiben, ohne beteiligt zu sein, ohne verantwortliche Entscheidungen zu treffen.
Srila Prabhupada: Das bedeutet, er hat sich entschieden, sich treiben zu lassen. Sein Getriebenwerden beruht auf einem Entschluss.
Hayagriva dasa: Sartre glaubt, dass negativer Glaube durch eine klare Entscheidung und durch den Glauben an unsere Entscheidung ersetzt werden muss. Wenn man sich beispielsweise zu einer bestimmten Handlungsweise entschlossen hat, müsse man das Vertrauen haben, diese Handlung tapfer und heldenmütig durchzuführen. Dann tue man das Richtige.
Srila Prabhupada: Was ist jedoch eine solche Handlung wert, wenn man eine falsche Entscheidung trifft? Die Motten fliegen sehr tapfer und voller Enthusiasmus in das Feuer hinein. Ist dies jedoch ein guter Entschluss? Sartre spricht von negativem Glauben, doch wie steht es mit positivem Glauben?
Hayagriva dasa: Wenn negativer Glaube das Meiden von Entscheidungen bedeutet, dann ist die Bedeutung von positivem Glauben, beherzte Entscheidungen zu treffen und ihnen, ganz gleich wie sie sind, zu folgen.
Srila Prabhupada: Was jedoch, wenn dein Entschluss falsch ist?
Hayagriva dasa: Für Sartre kann von richtig oder falsch keine Rede sein.
Srila Prabhupada: Das würde bedeuten, jeder Entschluss, den ich fasse, ist endgültig und absolut? Dann ist also die Entscheidung der Insekten, ins Feuer zu fliegen, auch richtig? Dies ist die Philosophie der Insekten.
Hayagriva dasa: Sartres Philosophie ist als pessimistisch bezeichnet worden, da er behauptet, das menschliche Leben sei ein „vergebliches streben“, ein nutzloser Kampf in einem Universum ohne jeglichen Sinn.
Srila Prabhupada: Sartre mag nutzlos sein, wir sind es jedoch nicht. Kein vernünftiger Mensch ist nutzlos. Ein vernünftiger Mensch wird einer höheren Autorität folgen. Tad vijnanartham sa gurum evabhigacchet: „Wenn man sich an einen echten spirituellen Meister wendet, wird man nicht verwirrt sein.“ Das ist vedische Zivilisation. Sartre glaubt, das Universum habe keinen Sinn, weil er blind ist. Er ist unfähig, zu sehen, dass es einen Plan gibt. Wir bemühen uns, Krishna-Bewusstsein einzuführen, um die Welt in Vaikuntha, in einen Ort ohne Angst, zu verwandeln. Unser Entschluss ist jedoch nicht blind. Unser Entschluss ist der Entschluss einer höheren Autorität, Krishna, und deswegen ist er vollkommen.

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