SRILA PRABHUPADAS VORLESUNGEN


GÖTTLICHE KULTUR
Juni 26, 2007, 7:05 am
Filed under: Prabhupadas Richtlinien

Uddhavavon A.C.Bhaktivedanta Swami Prabhupada

Ein verbreiteter Irrtum ist, die Bewegung für Krishna-Bewusstsein repräsentiere die Religion der Hindus. In Wirklichkeit aber ist Krishna-Bewusstsein keinesfalls ein Glaube oder eine Religion mit dem Ziel, andere Glaubensrichtungen oder Religionen zu widerlegen. Vielmehr ist es eine essentielle kulturelle Bewegung für die gesamte menschliche Gesellschaft – ohne Sektierertum. Diese kulturelle Bewegung ist insbesondere dafür bestimmt, den Menschen zu zeigen, wie sie Gott lieben können.

Manchmal denken Inder, sowohl innerhalb als auch außerhalb von Indien, wir würden Hindu-Religion predigen, aber in Wirklichkeit ist das nicht so. Man wird das Wort „Hindu“ in der Bhagavad-gita nicht finden. Ja, in der ganzen vedischen Literatur gibt es kein solches Wort wie „Hindu“. Dieses Wort ist von Mohammedanern eingeführt worden, die in Nachbargebieten Indiens, wie Afghanistan, Beluchistan und Persien, wohnten. Es gibt einen Fluss namens Sindhu, der die Grenze der nordwestlichen Gebiete Indiens bildet, und da die Moslems „Sindhu“ nicht richtig aussprechen konnten, nannten sie den Fluss statt dessen „Hindu“, und die Bewohner dieses Landes bezeichneten sie als „Hindus“. In Indien werden die Europäer in der vedischen Sprache als Mlecchas oder Yavanas bezeichnet. In ähnlicher Weise ist „Hindu“ ein Name, der von den Mohammedanern eingeführt wurde.
Indiens eigentliche Kultur ist in der Bhagavad-gita beschrieben, wo es heißt,
dass es je nach den verschiedenen Eigenschaften oder Erscheinungsweisen der Natur verschiedene Arten von Menschen gibt, die man allgemein in vier soziale und vier spirituelle Schichten unterteilt. Dieses System sozialer und spiritueller Einteilungen ist als Varnasrama-dharma bekannt. Die vier Varnas oder sozialen Schichten sind die Brahmanas, Ksatriyas, Vaisyas und Sudras. Die vier Ashramas oder spirituellen Ordnungen sind Brahmacarya, Grihastha, Varnaprastha und Sannyasa. Das Varnasrama-System ist in den als Puranas bekannten vedischen Schriften beschrieben. Das Ziel dieser Einrichtung vedischer Kultur besteht darin, jeden auszubilden, Wissen von Krishna oder Gott zu entwickeln. Das ist das ganze vedische Programm.
Als Sri Caitanya mit dem großen Gottgeweihten Ramananda Raya sprach, fragte der Herr ihn: „Was ist das Grundprinzip menschlichen Lebens?“ Ramananda Raya antwortete, dass die menschliche Zivilisation beginne, wenn der Mensch das Varndsrama-dharma-System anerkenne. Bevor man auf die Ebene von Varnasrama-dharma kommt, kann von menschlicher Zivilisation keine Rede sein. Deshalb versucht die Bewegung für Krishna-Bewusstsein, dieses richtige System menschlicher Zivilisation einzuführen, das auch als Krishna-Bewusstsein oder Daiva-Varnasrama, göttliche Kultur, bekannt ist.
In Indien folgt man heute dem Varnasrama-System in einer verzerrten Form, und so erhebt jemand, der in der Familie eines Brahmanen, geboren wurde, den Anspruch, als Brahmane anerkannt zu werden. Aber dieser Anspruch wird von der Sastra nicht anerkannt. Der Vorvater mag nach der Gotra oder Familienerbfolge ein Brahmane gewesen sein, doch wirkliches Varnasrama-dharma basiert auf den tatsächlichen Eigenschaften, die man besitzt, ungeachtet der Geburt oder Erbfolge. Deshalb predigen wir nicht das heutige System der Hindus, vor allem nicht das derer, die unter dem Einfluß Sankaracaryas stehen, denn Sankaracarya lehrte, daß die Absolute Wahrheit unpersönlich sei, und verleugnete so indirekt die Existenz Gottes.
Sankaracaryas Mission war etwas Besonderes; er erschien, um nach dem Einfluss des Buddhismus den vedischen Einfluss wiederherzustellen. Weil der Buddhismus unter Kaiser Asokas Schirmherrschaft stand, war die buddhistische Religion vor 2600 Jahren praktisch in ganz Indien verbreitet. Wie wir aus der vedischen Literatur erfahren, war Buddha eine Inkarnation Krishnas, der mit einer besonderen Macht ausgestattet war und zu einem besonderen Zweck erschien. Sein Gedanken- oder Glaubenssystem wurde weitgehend anerkannt, doch Buddha lehnte die Autorität der Veden ab. Während sich der Buddhismus ausbreitete, kam die vedische Kultur sowohl in Indien als auch an anderen Orten zum Stillstand. Da es Sankaracaryas einziges Ziel war, Buddhas Philosophie-System zu vertreiben, führte er ein System ein, das man als Mayavada bezeichnet.
Streng genommen ist Mayavada Philosophie Atheismus, denn es ist ein Vorgang, bei dem man sich nur vorstellt, dass es Gott gibt. Dieses Mayavada-System der Philosophie hat schon seit undenklichen Zeiten existiert. Das gegenwärtige indische System der Religion oder Kultur basiert auf der Mayavada-Philosophie Sankaracaryas, die ein Kompromiß mit der buddhistischen Philosophie ist. Der Mayavada-Philosophie zufolge gibt es letztlich keinen Gott, oder wenn Gott existiert, dann ist Er unpersönlich und alldurchdringend, und man kann Ihn sich daher in irgendeiner beliebigen Form vorstellen. Diese Schlussfolgerung stimmt nicht mit der vedischen Literatur überein. Diese Literatur nennt viele Halbgötter, die für verschiedene Zwecke verehrt werden, doch in jedem Fall wird der Höchste Herr, die Persönlichkeit Gottes, Vishnu, als der Höchste Herrscher anerkannt. Das ist wirkliche vedische Kultur.
Die Philosophie des Krishna-Bewusstseins verneint nicht die Existenz Gottes und der Halbgötter, doch die Mayavada-Philosophie verneint beide. Sie lehrt, dass weder die Halbgötter noch Gott existieren. Für die Mayavadis ist letztlich alles nichtig. Sie sagen, man könne sich irgendeine Autorität vorstellen – Vishnu, Durga, Shiva oder den Sonnengott – , weil diese Halbgötter im allgemeinen in der Gesellschaft verehrt werden. Doch die Mayavada-Philosophie erkennt die Existenz keiner dieser Halbgötter tatsächlich an. Die Mayavadis sagen, man könne sich irgendeine dieser Formen vorstellen, weil man seinen Geist nicht auf das unpersönliche Brahman konzentrieren könne. Dies ist ein neues System, das man Pancopasana nennt. Es wurde von Sankaracarya eingeführt, doch lehrt die Bhagavad-gita solche Doktrinen nicht, und deshalb sind sie nicht autoritativ.
Die Bhagavad-gita erkennt die Existenz der Halbgötter an. Die Halbgötter werden in den Veden beschrieben, und man kann ihr Dasein nicht verleugnen, doch sind sie nicht so zu verstehen oder zu verehren, wie es Sankaracarya beschrieb. Die Verehrung der Halbgötter wird in der Bhagavad-gita abgelehnt. Die Gita (7.20) erklärt eindeutig:

kamais tais fair hrta jnanah
prapadyante nya devatah
taril tarit niyamam asthaya
prakrtya niyatah svaya

„Diejenigen, deren Geist durch materielle Wünsche verzerrt ist, ergeben sich Halbgöttern und folgen, ihrem eigenen Wesen entsprechend, bestimmten Regeln und Vorschriften der Verehrung.“ Weiter sagt Sri Krishna in der Bhagavad-gita (2.44):

bhogaisvarya prasaktanam
tayapahrta cetasam
vyajavasayatmikabuddhih
samadhau na vidhivate

„Im Geist derer, die zu sehr an Sinnengenuss und materiellem Reichtum haften und die von solchen Dingen verwirrt sind, kommt es nicht zu dem festen Entschluss, dem Höchsten Herrn in Hingabe zu dienen.“
Diejenigen, die sich den verschiedenen Halbgöttern zuwenden, sind als hritah jnanah beschrieben worden, was bedeutet „diejenigen, die ihre Vernunft verloren haben“. Auch das wird in der Gita weiter erklärt (7.23):

antavat tu phalam tesam
tad bhavaty alpa medhasam
devan deva yajo yanti
mad bhakta yanti mam api

„Menschen mit geringer Intelligenz verehren die Halbgötter, und ihre Früchte sind begrenzt und vergänglich. Die Verehrer der Halbgötter gehen zu den Planeten der Halbgötter, doch Meine Geweihten erreichen Meinen höchsten Planeten.“
Die von den Halbgöttern gegebenen Segnungen sind zeitweilig, denn jeden materiellen Vorteil kann man nur in Verbindung mit dem zeitweiligen materiellen Körper genießen. Was immer man an materiellen Möglichkeiten bekommt, entweder durch moderne wissenschaftliche Methoden oder durch Segnungen seitens der Halbgötter, wird mit dem Körper zu Ende sein. Spiritueller Fortschritt aber wird niemals zu Ende sein.
Man sollte nicht glauben, wir predigten eine sektiererische Religion. Nein, wir predigen einfach, wie man Gott lieben kann. Es gibt viele Theorien in bezog auf die Existenz Gottes. Der Atheist zum Beispiel wird niemals an Gott glauben. Atheisten wie der Nobelpreisträger Professor Jaques Monod erklären, alles sei Zufall. Andere Philosophien, wie die karma-mimamsa Philosophie, gehen davon aus, dass man, wenn man seine Arbeit gut und ehrlich verrichtet, von selbst das Ergebnis bekommen wird, ohne dass man sich an Gott zu wenden braucht. Als Beweis führen die Vertreter solcher Theorien das Argument an, dass eine Krankheit, mit der man sich angesteckt hat, geheilt wird, wenn man ein Medikament nimmt, das ihr entgegenwirkt. Unser Argument in diesem Zusammenhang lautet jedoch, dass jemand, selbst wenn man ihm die beste Arznei gibt, trotzdem sterben mag. Die Ergebnisse sind nicht immer vorhersehbar. Deshalb gibt es eine höhere Autorität, daiva-netrena, einen höchsten Direktor. Wie ist es sonst zu erklären, dass der Sohn eines reichen und frommen Mannes zu einem Hippie auf der Straße wird, oder dass jemand, der sehr schwer arbeitet und reich wird, von seinem Doktor gesagt bekommt „Ab jetzt dürfen Sie keine feste Nahrung mehr essen, sondern nur noch Haferschleimsuppe löffeln“?
Die karma-mimamsa Theorie behauptet, die Welt drehe sich ohne die höchste Führung Gottes. Solche Philosophien sagen, alles geschehe durch Lust . Durch Lust fühle sich ein Mann zu einer Frau hingezogen; zufällig komme es zum Geschlechtsverkehr, die Frau werde schwanger. Es gebe eigentlich keinen Plan, die Frau zu schwängern, doch durch eine natürliche Folge, wenn sich nämlich ein Mann und eine Frau vereinen, werde ein Ergebnis erzeugt. Die atheistische Theorie, die im 16. Kapitel der Bhagavad-gita als asurisch oder dämonisch beschrieben wird, besagt, dass im Grunde alles auf diese Weise geschieht, nämlich durch Zufall und als Ergebnis natürlicher Anziehung Diese dämonische Theorie unterstützt die Vorstellung, dass man Verhütungsmittel verwenden kann, wenn man Kinder vermeiden will.
Im Grunde aber gibt es für alles einen großen Plan – den vedischen Plan. Die vedische Literatur gibt Weisungen, wie sich Männer und Frauen vereinigen sollen, wie sie Kinder zeugen sollen und was der Zweck des Geschlechtslebens ist. Krishna sagt in der Bhagavad-gita, dass Sexualität, die von der vedischen Vorschrift gebilligt wird, das heißt Sexualität nach den vedischen Regeln und Regulierungen, erlaubt und für ihn annehmbar ist. Doch durch Zufall herbeigeführte Sexualität ist nicht akzeptabel. Wenn man sich durch Zufall sexuell angezogen fühlt und es Kinder gibt, werden diese als Varna-sankara oder unerwünschte Bevölkerung bezeichnet. Das ist die Lebensweise niederer Tiere, sie ist nicht menschenwürdig. Für Menschen gibt es einen Plan. Wir können die Theorie, dass es für das menschliche Leben keinen Plan gibt oder dass alles durch Zufall und materielle Notwendigkeit entsteht, nicht anerkennen.
Sankaracaryas Theorie, dass es keinen Gott gibt und dass man mit seiner Arbeit fortfahren und sich Gott in irgendeiner Form vorstellen kann, nur um Frieden und Ordnung in der Gesellschaft aufrechtzuerhalten, beruht mehr oder weniger ebenfalls auf dieser Vorstellung von Zufall und Notwendigkeit. Unser Weg jedoch, der ganz anders ist, beruht auf Autorität. Es ist das göttliche varnasrama-dharma, das Krishna empfiehlt, nicht das Kastensystem, wie es heute verstanden wird. Dieses moderne Kastensystem wird heute auch in Indien verurteilt, und es sollte verurteilt werden, denn die Klassifizierung verschiedener Arten von Menschen nach Geburt ist nicht das vedische oder wirkliche Kastensystem.
Es gibt viele Klassen von Menschen in der Gesellschaft manche Menschen sind Ingenieure, andere sind Ärzte, wieder andere sind Chemiker, Händler, Geschäftsleute und so fort. Diese verschiedenen Klassen werden jedoch nicht durch Geburt bestimmt, sondern durch Eigenschaft. So etwas wie das Kaste-durch-Geburt-System wird von der vedischen Literatur nicht gebilligt, noch akzeptieren wir es. Wir haben nichts mit dem Kastensystem zu tun, das heute auch von der Öffentlichkeit in Indien abgelehnt wird. Vielmehr geben wir jedem die Möglichkeit, ein Brahmane zu werden und so die höchste Stufe des Lebens zu erreichen.
Weil es in der heutigen Zeit an Brahmanen, spirituellen Führern, und Ksatriyas oder Verwaltern mangelt, und weil die ganze Welt von Sudras oder Menschen der manuellen Arbeiterklasse regiert wird, gibt es viele Probleme in der Gesellschaft. Es ist wegen all dieser Probleme, die wir zu lösen haben, dass wir uns dieser Bewegung für Krishna-Bewusstsein anschließen müssen. Wenn die Brahmanen Klasse tatsächlich wiederhergestellt ist, wird das soziale Wohlergehen der anderen Schichten von selbst folgen, ebenso wie das Gehirn, das vollkommen in Ordnung ist, dafür sorgt, daß die anderen Teile des Körpers, die Arme, der Magen und die Beine, alle sehr harmonisch zusammenarbeiten.
Das Endziel dieser Bewegung besteht darin, die Menschen zu erziehen, Gott zu
lieben. Caitanya Mahaprabhu befürwortet die Schlussfolgerung, dass die höchste Vollkommenheit des menschlichen Lebens darin besteht, zu lernen, wie man Gott liebt. Die Bewegung für Krishna Bewusstsein hat mit der Hindu Religion oder irgendeinem anderen Religionssystem nichts zu tun. Kein wirklicher Christ wird daran interessiert sein, von seinem christlichen Glauben zum hinduistischen überzuwechseln. In ähnlicher Weise wird kein kultivierter Hindu bereit sein, zum christlichen Glauben überzutreten. Solches Wechseln kommt nur bei Menschen vor, die keinen bestimmten sozialen Standort haben. Jeder aber wird daran interessiert sein, die Philosophie und Wissenschaft von Gott zu verstehen und sie ernst zu nehmen. Man sollte klar verstehen, dass die Bewegung für Krishna Bewusstsein nicht die sogenannte Hindu Religion predigt. Wir bieten eine spirituelle Kultur an, die alle Probleme des Lebens zu lösen vermag. Deshalb wird Krishna-Bewusstsein auf der ganzen Welt angenommen.

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