SRILA PRABHUPADAS VORLESUNGEN


Thomas Von Aquin aus Vedischer Sicht
Juni 26, 2007, 7:30 pm
Filed under: Prabhupadas Richtlinien

gopas-yamuna.jpgJenseits unvollkommener menschlicher Vernunft
Was Thomas von Aquin (1225-1274) über Gott wusste – er sah mit den Augen der Logik und beschreibt uns ein logisches aber dennoch unvollkommenes Bild Gottes.

Ein Gespräch über Thomas von Aquin mit A.C. Bhaktivedanta Swami

Hayagriva dasa: In seinem Werk Summa Theologica, das die offizielle Philosophie der römisch-katholischen Kirche darstellt, fasste Thomas von Aquin die gesamte kirchliche Doktrin zusammen. Er systematisierte ebenfalls einen großen Teil der platonischen und arestotelischen Philosophie. Thomas glaubte, religiöse Wahrheiten könnten sowohl durch Vernunft als auch durch Offenbarung erkannt werden. Er stimmte auch mit Augustinus überein, der sagte: „Ich glaube, um verstehen zu können“, und, „Ich verstehe, um glauben zu können.“
So ergänzen sich Vernunft und Offenbarung als Mittel zur Erlangung der Wahrheit.
Srila Prabhupada: Da die menschliche Vernunft nicht vollkommen ist, ist Offenbarung ebenfalls erforderlich. Srila Rupa Goswami hat in diesem Zusammenhang gesagt, sevonmukhe hi jiva-dau svayam eva sphuraty adah: „Wenn wir unsere Sinne im Dienste des Herrn betätigen, wird der Herr sich uns offenbaren.“
Die Wahrheit kann durch Logik, Philosophie und Offenbarung erkannt werden. Gemäß der Vaishnava Tradition erkennen wir die Wahrheit durch den Guru, den spirituellen Meister, der als ein Repräsentant der absoluten Wahrheit, der Persönlichkeit Gottes, anerkannt wird. Der Guru kann die Botschaft der Wahrheit vermitteln, da er die Absolute Wahrheit durch die Schülernachfolge, die Kette der autorisierten spirituellen Meister, gesehen hat. Wenn wir einen echten spirituellen Meister annehmen und ihn durch ergebene Dienst erfreuen, können wir aufgrund seiner Barmherzigkeit und Freude, Gott und die spirituelle Welt durch Offenbarung verstehen. In dem Gebet, yasya prasada bhagavat prasadah bringen wir dem daher dem spirituellen Meister unseren Respekt dar: „Durch die Barmherzigkeit des spirituellen Meisters erlangt man den Segen Krishnas.“
Hayagriva dasa: Im dreizehnten Jahrhundert betrachteten die kirchlichen Gelehrten den logischen Beweis der Existenz Gottes als sehr wichtig, und Thomas von Aquin stellte fünf elementare Gottesbeweise auf. Der erste Beweis, dass Gott notwendigerweise als die erste Ursache existiert. Zweitens könne sich die materielle Welt nicht aus sich selbst heraus erschaffen, sondern dazu sei ein äußere oder spirituelle Ursache erforderlich. Das dritte Argument lautet: Da die Welt existiert muss es auch einen Schöpfer geben, der sie erschaffen hat. Viertens: Der relativen Vollkommenheit in dieser Welt muss eine absolute Vollkommenheit zugrunde liegen. Da die Schöpfung einen Plan und einen Zweck hat, muss es auch einen Planer geben, der die Schöpfung entworfen hat.
Srila Prabhupada: Auch wir respektieren diese Argumente. Ohne einen Vater und eine Mutter können keine Kinder geschaffen werden. Die modernen Philosophen ziehen dieses stärkste Argument für die Existenz Gottes nicht in Betracht. Laut der Brahma-samhita ist Krishna „sarva karana karanam“, die Ursache aller Ursachen. Alles hat eine Ursache und Gott ist die urerste Ursache.
Hayagriva dasa: Thomas sagte auch, die relative Vollkommenheit, die wir in dieser Welt vorfinden, deute notwendigerweise auf eine absolute Wahrheit hin.
Srila Prabhupada: Ja, die spirituelle Welt ist von absoluter Vollkommenheit, und die zeitweilige materielle Welt ist lediglich eine Spiegelung der spirituellen Welt. Jegliche Vollkommenheit hier in der materiellen Welt leitet sich von der spirituellen Welt her.
Im Vedanta-sura heißt es, janmady asya yata: „Alles, was geschaffen wurde, hat seinen Ursprung in der absoluten Wahrheit.“
Hayagriva dasa: Einige moderne Wissenschaftler billigen Thomas‘ Argument, dass die materielle Welt eine äußere oder spirituelle Entstehungsursache haben müsse, da wir in der materiellen Welt nichts entdecken können was sich selbst erschafft.
Srila Prabhupada: Ja, ein Berg kann nichts erschaffen, ein menschliches Wesen hingegen kann einen Stein formen. Der Berg mag riesengroß sein , aber er ist und bleibt ein Gesteinsklumpen, unfähig irgend etwas zu formen.
Hayagriva dasa: Im Gegensatz zu Platon und Aristoteles behauptet Thomas, Gott habe das Universum aus dem Nichts erschaffen.
Srila Prabhupada: Nein, Gott hat das Universum durch seine verschiedenen Energien erschaffen; Gott und Seine Energien sind immer existent. Man kann nicht auf der Grundlage von Logik behaupten, das Universum sei aus dem Nichts erschaffen worden.
Hayagriva dasa: Thomas würde sagen, das materielle Universum müsse aus dem Nichts entstanden sein, da es nicht aus Gottes spiritueller Natur geschaffen worden sein könne.
Srila Prabhupada: Die materielle Natur ist ebenfalls eine Energie Gottes. Krishna sagt in der Bhagavad-gita (7.4):

bhumir apo ’nalo vayuh
kham mano buddhir eva ca
ahankara itiam me
bhinna prakrtir astadha

„Erde, Wasser, Feuer, Luft, Äther, Geist, Intelligenz und falsches Ego – diese acht Elemente bilden Meine abgesonderten, materiellen Energien.“
Sie alle gehen von Gott aus, und daher sind sie nicht unwirklich. Diese Energien werden als untergeordnet angesehen, da sie Gottes abgesonderte materielle Energien bilden. Sie gleichen dem Klang, der von einem Kassettenrecorder ausgeht und der sich genauso wie die ursprüngliche Stimme des betreffenden Menschen anhört. Der aufgezeichnete Klang ist nicht die eigentliche Stimme der Person selbst, er stammt jedoch von dieser Person und ist nun von ihr getrennt. Wenn man nicht erkennen kann, wo dieser Klang herkommt, könnte man annehmen, dass die Person wirklich spricht, obwohl sie weit entfernt sein mag. In ähnlicher Weise ist die materielle Welt eine Erweiterung der Energie des Höchsten Herrn, und wir sollten nicht denken, sie wurde aus dem Nichts erschaffen. Sie ist von der Höchsten Wahrheit ausgegangen, bildet jedoch deren niedere, abgesonderte Energie. Die höhere Energie finden wir in der spirituellen Welt, der Welt der Realität. Parasya saktir vividhaiva sruyate: Gott hat mannigfaltige Energien, und die materielle Energie ist nur eine von ihnen. Da Gott alles ist, kann man nicht behaupten, das materielle Universum sei aus dem Nichts entstanden.
Hayagriva dasa: Genauso wie Augustinus glaubte auch Thomas, dass die Sünde und der Mensch einander begleiten. Aufgrund der ursprünglichen Sünde Adams hätten es alle Menschen nötig, erlöst zu werden, und Erlösung könne nur durch Gottes Barmherzigkeit erlangt werden. Das individuelle Lebewesen müsse sich freiwillig ergeben, damit Gottes Gnade wirken kann.
Srila Prabhupada: Ja, wir nennen diese Ergebung Bhakti, hingebungsvollen Dienst zum Herrn. Bhakti ist unsere ewige Beschäftigung, und wenn wir unserer ewigen Beschäftigung nachgehen, erlangen wir Erlösung, oder Befreiung. Wenn wir uns mit falschen Aktivitäten beschäftigen, unterliegen wir der Illusion, Maya. Mukti, Befreiung, bedeutet, in unserer wesenseigenen Position als ewige Diener Gottes zu verbleiben. In der materiellen Welt sind wir mit vielen verschiedenen Aktivitäten beschäftigt, die sich jedoch alle auf den materiellen Körper beziehen. In der spirituellen Welt sind wir im Dienste des Herrn tätig, und das bedeutet Befreiung oder Erlösung.
Hayagriva dasa: Thomas unterschied zwischen zwei Arten von Sünden: läßlichen Sünden und Todsünden. Die Todsünde führt zu ewiger Verdammung, es sei denn, sie wird einem vergeben. Bei der läßlichen Sünde ist dies nicht der Fall. Mit anderen Worten, nach Thomas wird die Seele durch eine Todsünde befleckt.
Srila Prabhupada: Wenn ein Lebewesen die Anweisungen Gottes missachtet, wird es in die materielle Welt versetzt; darin besteht seine Bestrafung. Wenn es sich nicht durch positive Gemeinschaft berichtigt und sich wieder Gott ergibt, ist es der wiederholten Seelenwanderung ausgesetzt. Es muss einen Körper nach dem anderen annehmen und so die Leiden der materiellen Existenz ertragen.
Hayagriva dasa: Gut, aber wie kann man davon sprechen, dass die Seele von Sünde „befleckt“ wird?
Srila Prabhupada: Die Seele wird nicht befleckt, sie kann jedoch an sündhaften Aktivitäten teilnehmen. Zwar kann man Öl nicht mit Wasser vermischen, doch wenn Öl auf dem Wasser treibt, wird es von dem Wasser davongetragen. Genauso geraten wir in den Griff der materiellen Welt, sobald wir mit der materiellen Natur in Berührung kommen, prakrteh kriyamanani gunaih karmani sarvasah. Sobald das Lebewesen die materielle Welt betritt, verliert es seine Kraft. Es befindet sich dann völlig im Griff der materiellen Natur. Öl wird sich niemals mit Wasser vermischen, es kann jedoch von den Wellen davongetragen werden.
Hayagriva dasa: Thomas glaubte nicht, dass die Seele getrennt von einer bestimmten Form existieren könne. Seiner Meinung nach hat Gott nicht einfach eine Seele erschaffen, die dann in der Lage ist, jede beliebige Form oder jeden beliebigen Körper zu bewohnen; vielmehr habe Er eine Engelsseele, eine Menschenseele, eine Tierseele, eine Pflanzenseele usw. erschaffen. Thomas war der Ansicht, dass die Schöpfung einer reinen Seele dem Erschaffen von Gott selbst gleichkäme.
Srila Prabhupada: Die Seele wird nicht erschaffen, sondern existiert ewiglich zusammen mit Gott. Die Seele hat die Unabhängigkeit, sich von Gott abzuwenden, und in diesem Fall gleicht sie einem Funken, der von einem großen Feuer weg springt. Wenn der Funken vom Feuer getrennt ist, verliert er seine Ausstrahlung. In jedem Fall ist jedoch die Seele ewig. Der Meister und Seine Diener existieren ewiglich. Wir können nicht behaupten, dass die Teile eines Körpers getrennt geschaffen wurden. Sobald der Körper gegenwärtig ist, sind auch seine Teile da. Die Seele wird niemals geschaffen, und sie stirbt auch nie. Das wird in der Bhagavad-gita (2.20) bestätigt:

na jayate mriyate va kadacin
nayam bhutva bhavita va na bhuyah
ajo nityah sasvato ‚yam purano
na hanyate hanyamane sarire

„Für die Seele gibt es weder Geburt noch Tod. Auch hört sie, da sie einmal war, niemals auf zu sein. Sie ist ungeboren, ewig, immerwährend, unsterblich und urerst. Sie wird nicht getötet, wenn der Körper erschlagen wird.“
Es mag so erscheinen, als würde die Seele entstehen und sterben, doch das liegt nur daran, dass sie einen materiellen Körper angenommen hat. Wenn der materielle Körper stirbt, wird die Seele einfach in einen anderen Körper versetzt. Wenn die Seele befreit ist, braucht sie keinen, weiteren materiellen Körper mehr anzunehmen. Sie kann in ihrem ursprünglichen, spirituellen Körper nach Hause, zu Gott, zurückkehren. Die Seele wurde niemals erschaffen, sondern existiert ewiglich zusammen mit Gott. Wenn wir davon ausgehen, dass die Seele geschaffen wurde, so könnte die Frage auftauchen, ob auch Gott, die Höchste Seele, geschaffen wurde, oder nicht. Natürlich ist dies nicht der Fall. Gott ist ewig, und Seine winzigen Bestandteile sind ebenfalls ewig. Der Unterschied besteht darin, daß Gott niemals einen materiellen Körper annimmt, wohingegen die individuelle Seele, da sie nur ein winziges Teilchen spiritueller Energie ist, manchmal der materiellen Energie unterliegt.
Hayagriva dasa: Welche Beziehung besteht zwischen der ursprünglichen, spirituellen Form der Seele und der Form des materiellen Körpers?
Srila Prabhupada: Der materielle Körper ist eine Imitation. Er ist unecht. Da der spirituelle Körper eine Form hat, nimmt auch der materielle Körper eine Form an. Der materielle Körper ist wie ein Mantel. Der Stoff hat ursprünglich keine Form, doch ein Schneider kann den Stoff zuschneiden und so einen passenden Mantel daraus herstellen. Genauso ist in Wirklichkeit auch unsere Körperform, die aus materiellen Elementen hergestellt wurde, illusorisch. Die materiellen Elemente haben ursprünglich keine Form, nehmen jedoch für eine Weile eine Form an, und wenn der Körper alt geworden ist und schließlich stirbt, kehren die materiellen Elemente wieder zu ihrem ursprünglichen Zustand zurück. In der Bhagavad-gita (18.61) wird der materielle Körper mit einer Maschine verglichen. Die Seele hat ihre eigene Form, es wird ihr jedoch eine Maschine, der Körper, gegeben, den sie, in dem Versuch, sich selbst zu genießen, auf ihrer Wanderung durch das Universum benutzt.
Hayagriva dasa: Thomas dachte, man sollte die heiligen Schriften nicht auf eine Bedeutung beschränken, sondern es sei gerade ein Merkmal der Erhabenheit göttlicher Schriften, daß in einem Text viele Bedeutungen enthalten sind, so dass auf diese Weise der Sinn der Schriften dem Verständnis der jeweiligen Menschen angepasst werden könne.
Srila Prabhupada: Die Bedeutung der Schriften ist eine. Vielfältige Bedeutungen entstehen nur durch Auslegung. In der Bibel heißt es, dass Gott das Universum erschaffen hat, und das ist eine Tatsache. Man mag vermuten, das Universum sei aus einem Klumpen oder sonst etwas erschaffen worden, aber wir sollten die Schriften nicht auf diese Weise auslegen. Wir präsentieren die Bhagavad-gita wie sie ist, ohne Interpretation oder versteckte Motive. Wir dürfen die Worte Gottes nicht verändern. Leider haben viele Interpretatoren das Gottesbewusstsein der Gesellschaft zugrunde gerichtet.
Hayagriva dasa: Thomas sagte, die Schriften könnten entsprechend dem individuellen Grade der Verwirklichung viele Bedeutungen beinhalten.
Srila Prabhupada: Nein. Niemand sollte die Worte der Schriften interpretieren. „Interpretation“ bedeutet „Änderung“. Der Mensch ist unvollkommen, wie kann er also die Worte Gottes ändern? Wenn die Worte geändert werden, wird sofort der Zweifel auftauchen, ob sie von Gott oder einem unvollkommenen Menschen gesprochen wurden. Sobald man die Schriften interpretiert oder verändert, verlieren sie ihre Autorität. Dann kommt jemand anders und legt sie auf seine Art aus. Ein nächster wird kommen und wieder ein nächster, und auf diese Weise wird die ursprüngliche Bedeutung der Schriften verloren gehen.
Hayagriva dasa: Thomas glaubte, es sei nicht möglich, Gott in diesem Leben zu sehen. Er schreibt: „Das Wesen Gottes kann von jemandem, der lediglich ein Mensch ist, nicht wahrgenommen werden, es sei denn, er ist von seiner sterblichen Hülle getrennt . . . Das göttliche Wesen kann nicht durch die Natur der materiellen Dinge erkannt werden.“
Srila Prabhupada: Was meint er mit dem „göttlichen Wesen“? Für uns ist das göttliche Wesen persönlich. Wenn man die Persönlichkeit Gottes nicht wahrnehmen kann, sieht man überall den alldurchdringenden unpersönlichen Aspekt. Wenn man weiteren Fortschritt macht, sieht man Gott als Paramatma, Überseele, im Herzen. Das ist das Resultat der Yoga-Meditation. Wenn man schließlich wirklich fortgeschritten ist, sieht man Gott von Angesicht zu Angesicht. Als Krishna auf der Erde erschien, haben Ihn die Menschen von Angesicht zu Angesicht gesehen. Die Christen erkennen Christus als den Sohn Gottes an, und als er kam, sahen ihn die Menschen von Angesicht zu Angesicht. Denkt Thomas, Christus sei nicht das göttliche Wesen Gottes?
Hayagriva dasa: Für einen Christen muss Christus die Inkarnation des göttlichen Wesens sein.
Srila Prabhupada: Und haben ihn nicht viele Menschen gesehen? Wie kann dann Thomas behaupten, Gott könne nicht gesehen werden?
Hayagriva dasa: Hier liegt offenbar ein Widerspruch vor. Es ist sehr schwierig zu beurteilen, ob Thomas letztlich ein Unpersönlichkeits- oder ein Persönlichkeitsanhänger war.
Srila Prabhupada: Das heißt, er hat spekuliert.
Hayagriva dasa: Thomas schreibt folgendermaßen über Gottes persönlichen Aspekt: „Da Gottes Natur alle Vollkommenheit in sich birgt, sollte jede Art der Vollkommenheit in Bezug zu Ihm stehen. Jedes Individuum von rationalem Wesen wird als Person angesehen, und da die Erhabenheit des göttlichen Wesens mit Sicherheit jedes andere Wesen übertrifft, ist es nur angemessen, von Gott als einer Person zu sprechen.“ Näher geht Thomas auf dieses Thema nicht ein. Was das Wesen der Persönlichkeit Gottes betrifft, so haben sich auch die Kirchenväter nie spezifischer ausgedrückt.
Srila Prabhupada: Christus wird als der Sohn Gottes anerkannt, und wenn man den Sohn sehen kann, warum dann nicht auch den Vater? Wenn Christus der Sohn Gottes ist, wer ist dann Gott? In der Bhagavad-gita (10.8) sagt Krishna, aham sarvasya prabhavah: „Alles geht von Mir aus“. Christus sagt, dass er der Sohn Gottes ist, und das bedeutet, daß er von Gott ausgeht. Genauso wie er eine Persönlichkeit hat, hat auch Gott eine Persönlichkeit. Deshalb sprechen wir von Krishna als der Höchsten Persönlichkeit Gottes.
Hayagriva dasa: Was Gottes Namen betrifft, so war Thomas der Ansicht, dass Sein Name umso universaler und absoluter sei, je weniger er definiert werde. Deshalb glaubte er, der passende Name für Gott sei „Er, der ist“.
Srila Prabhupada: Warum? Wenn Gott so aktiv ist, dass Er das gesamte Universum erschaffen hat, was ist dann falsch daran, Ihn gemäß Seinen Aktivitäten und Merkmalen anzusprechen?
Hayagriva dasa: Thomas behauptet, das wahre Wesen Gottes sei die bloße Tatsache Seines Seins, die Tatsache, dass Er ist.
Arila Prabhupada: Natürlich ist Er; „Er ist“ bedeutet jedoch, dass Er in Seinem Reich zusammen mit Seinen Dienern, Spielgefährten, Spielen und Seinem Zubehör existiert. Alles ist vorhanden. Wir müssen nach der Bedeutung oder der Natur Seines Seins fragen. Eines von Gottes Merkmalen ist Sein. Ein weiteres Merkmal ist Seine Anziehungskraft. Gott wirkt auf alles anziehend. Das Wort Krishna bedeutet „allanziehend“. Was ist also falsch daran, Gott als Krishna anzusprechen? Weil Krishna der Genießer Radharanis ist, lautet Sein Name Radhika-ramana. Weil Er existiert, wird Er das Höchste Wesen genannt. Einerseits hat Gott keinen Namen, andererseits jedoch hat Er Millionen von Namen, entsprechend Seinen Aktivitäten.
Hayagriva dasa: Anscheinend hat Thomas von Aquin grundsätzlich den unpersönlichen Standpunkt vertreten.
Srila Prabhupada: Nein. Er konnte sich nicht entscheiden, ob Gott persönlich oder unpersönlich ist. Er war zwar geneigt, Gott als einer Person zu dienen, aber da er keine klare Vorstellung von Gottes Persönlichkeit hatte, ging er den Weg der Spekulation.
Hayagriva dasa: Gibt es in den Veden eine Parallele zu „Ihm, der ist“?
Arila Prabhupada: Ja. Om tat sat, was unpersönlich ist. Dieser Mantra kann jedoch ebenfalls zu ‚om namo bhagavate vasudevaya‘ erweitert werden. Das Wort Vasudeva bedeutet, „jemand, der überall lebt“, und es bezieht sich auf Bhagavan, die Höchste Persönlichkeit Gottes. Gott ist sowohl persönlich wie auch unpersönlich; Sein unpersönliches Merkmal ist jedoch zweitrangig. Bhagavan Sri Krishna sagt dazu in der Bhagavad-gita (14.27): „Ich bin der Ursprung des unpersönlichen Brahman, das die wahre Ebene der Glückseligkeit bildet und das unsterblich, unvergänglich und ewig ist.“ Was habe ich in der Erläuterung zu diesem Vers geschrieben?
Hayagriva dasa: „Das Brahman besteht aus Unsterblichkeit, Unvergänglichkeit, Ewigkeit und Glück. Das Brahman ist die Anfangsstufe transzendentaler Erkenntnis. Der Paramatma, die Überseele, ist die mittlere, also die zweite Stufe der transzendentalen Erkenntnis, und die Höchste Persönlichkeit Gottes ist die höchste Erkenntnis der Absoluten Wahrheit.“
Srila Prabhupada: Das ist das göttliche Wesen in Seiner ganzen Fülle.

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